Von der Pentacon-six bis zur Canon Digital - Meine 50 Jahre Naturfotografie


Mit einem Buch von Helmut Drechsler begann alles. Ganz erstaunlich, dass mir meine Eltern ausgerechnet das Buch "Wildschwäne über Uhlenhorst" zu meinem 14. Geburtstag schenkten, dieses Buch des damals sehr populären Naturfotografen und Naturschriftstellers Helmut Drechsler über den Galenbecker See in Mecklenburg. Es beeindruckte mich stark und sollte mein weiteres Leben beeinflussen. Spontan nahm ich mir vor, unbedingt an diesen See zu fahren und auf jeden Fall ab sofort die Naturfotografie zu versuchen.
Da wusste ich noch nicht, dass die Landschaft rund um den Galenbecker See 40 Jahre lang und bis heute Lebensmittelpunkt für mich und meine Familie, berufliche und fotografische Heimat wurde.
Viele tausend Fotos und Filmmeter entstanden hier, wobei freilich die vielen, vielen 6x6-Diafilme und noch mehr SW-Negative, in einsamen Stunden in der Filmbüchse entwickelt, heute ein weitgehend sinnloses Dasein im Archiv fristen. Ein noch so schönes 30 Jahre altes Mittelformatdia auf ORWO-Film hat qualitätsmäßig keine Chance mehr gegen eine mitteläßige, auch nur 5-Millionen-Pixel-Originaldatei aus einer digitalen Spiegelreflex.
Aber immerhin, ganz sinnlos waren die Produkte aus der Pentacon-six nicht (ich hatte übrigens immer drei bis vier Gehäuse dieser Kamera, damit wenigstens eine einsatzbereit war, denn die "Messwalze", die für den Bildschritt sorgte, ging sehr schnell kaputt und auch der Verschlußvorhang war sehr anfällig), denn die Zeitungen und Zeitschriften der DDR waren durchaus dankbar für gute Naturfotos und entsprechende Beiträge. Selbst wenn man über die "Hochzeit bei den Haubentauchern" oder über "Beobachtungen am Amselnest" schrieb, wurden solche Beiträge immer gedruckt.
Das änderte sich freilich schlagartig mit der Wende, als der alte Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt der DDR zusammenbrach und die alten, freundschaftlichen Kontakte mit den Redaktionen und Verlagen nach und nach verschwanden.

Mit ihrer vorsintflutlichen Technik, dem nicht vorhandenen Kapital, ihrer völligen Ahnungslosigkeit bezüglich der westlichen Marktgepflogenheiten und natürlich der übergroßen Konkurrenz mit einem gehörigen Qualitätsvorsprung der etablierten westdeutschen Naturfotografen hatten die wenigsten semiprofessionellen und professionellen Tierfotografen eine sofortige Chance im neuen Deutschland.
Schon in der DDR stark beeinflusst vom Wirken des von mir hochgeschätzten Fritz Pölking, der mir damals regelmäßig seine Zeitschriften zusandte, und der uns DDR-Naturfotografen mit Rat und Tat zur Seite stand, hatten einige von uns bald Kontakt mit der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen, was neue Motivation brachte und half, das viele Neue schneller zu lernen. Trotzdem wurde teilweise viel "Lehrgeld" bezahlt. Manches wurde ausprobiert, vieles schnell wieder gelassen. Bei mir waren es Fotoagentur- und Verlagsgründung und auch die Etablierung eines kleinen Naturfotofestivals in Waren an der Müritz, den "Norddeutschen Naturfototagen", das 2017 immerhin zum 18. Mal über die Bühne gegangen ist.
Schon seit 2001 hatte es mir die Digitalfotografie angetan und die erste bezahlbare Canon-Digitale, die D30, eine 3-Millionen-Pixel-Spiegelreflex, machte mir so viel Freude, dass ich seitdem nie wieder mit Film fotografierte.
Mit der phantastischen Technik von heute ist eine wunderbare Zeit für die Naturfotografen angebrochen und ich frage mich wirklich, warum nicht alle Menschen Naturfotografen sind - was freilich in der Natur nicht auszuhalten wäre...
Wie sagte schon Fritz Pölking, frei nach Konfuzius: " Ein Tag ohne Naturfotografie ist ein verlorener Tag".
Einen Vorteil hatten die DDR-Naturfotografen damals freilich: Wir hatten auf Grund der Besitzverhältnisse eine Menge mehr Freiheit auf diversen Wiesen und Feldern, Wäldern und Gewässern herumzukriechen und unbeschwert zu fotografieren, während heute jeder Grundbesitzer eifersüchtig seine fünf Quadratmeter bewacht und - wir müssen aufpassen, dass uns nicht unsere Fotoobjekte verloren gehen. Vor 40 Jahre war das, was man heute "Biodiversität" nennt, also die Artenfülle bspw. in Mecklenburg-Vorpommern ungleich höher und es war kein Problem, z.B. auch im Binnenland Uferschnepfe und Brachvogel, Wiesenkuhschelle und Sumpfenzian zu finden. Versuchen Sie das mal heute!
Andererseit gibt es auch erfreuliche Beispiele, wie die rasante Zunahme der Seeadler und Kraniche oder die Wiederkehr des Wanderfalken.
Ein Menschenalter vergeht schnell, wenn man es mit Leib und Seele der Natur und der Naturfotografie verschrieben hat und wenn das Rentenalter heran ist, merkt man, dass die alleraktivste Zeit in der Natur vorbei ist. Doch weiter Freude an der Naturfotografie wird man trotzdem haben.

Welche Technik?

Die allermeisten Naturfotografen, die daran interessiert sind mit ihren Fotos öffentlichkeitswirksam zu werden, benutzen heute digitale Spiegelreflexsysteme. Einfach, weil das die meisten Möglichkeiten für die unterschiedlichen Vorhaben bietet und eine optimale Qualität der Fotos garantiert. Der Sensor, der in der Kamera den Film ersetzt, ist einfach groß genug, um die benötigte Anzahl an Lichtrezeptoren, um die optimale Pixelzahl, zu gewährleisten. Natürlich lassen sich hervorragende Aufnahmen auch mit Kameras mit fest eingebauten Objektiven machen. Diese haben den großen Vorteil, dass bei den so gen. "Bridge-Kameras" eine ganz erstaunlicher Brennweitenbereich geboten wird und das ganze System so handlich und leicht ist, dass die schlimme Schlepperei der großen Teleobjektive der Spiegelreflexkameras (ein 600mm-Objektiv wiegt ca. 4 kg!), nebst Stativen usw. entfällt. Das wird besonders Menschen mit Rücken- oder Knieproblemen erfreuen... Aber die kleinen Kameras haben eben einen großen Nachteil: Ihre Sensoren sind sehr klein, so dass meist schnell "Rauschen" erzeugt wird und die Qualität der Fotos eben nicht an die der Spiegelreflexen herankommt.
Wenn man erfolgreich Vogelfotografie betreiben will, sind zum einen lange Brennweiten und zum anderen schnelle Kameras unabdingbar. Apparate mit einer langen Auslöseverzögerung nützen nicht viel. Hilfreich ist es, wenn Kameras benutzt werden, die 3 und mehr Bilder pro Sekunde ermöglichen und ausreichend Fotos in Serie speichern, damit nicht bei einer spannenden Situation plötzlich die Kamera nicht mehr auslöst und erst einmal die Fotos verarbeiten muss.
Für die Kamerapirsch auf Vögel sind Objektivbrennweiten erst ab 500 mm wirklich brauchbar. Ich selbst benutze am liebsten Brennweiten zwischen 700 und 1000 mm. Dann kann man eine individuelle Distanz zum Vogel halten ohne viel zu stören, der Hintergrund ist schön aufgelöst und wenn ein Stabilisator eingebaut ist, sind immer noch Fotos mit einem Einbeinstativ möglich.